Die Idee


Pferde sind soziale Wesen, sie leben in einer Gemeinschaft. Die Herde bietet ihren Mitgliedern Schutz und Geborgenheit. Eine funktionierende Struktur ist überlebenswichtig. Unermüdlich wird immer aufs Neue die Rangordnung abgesteckt und garantiert, dass zu jeder Zeit, das führungsstärkste Pferd die Leitung der Herde hat. Aus diesem natürlichen Verhalten ergibt sich der unerbittliche Führungsanspruch unseres Hauspferdes, dessen Psyche und Verhalten noch den wildlebenden Pferden entspricht.

Pferde sehen in uns ein Herdenmitglied. Nicht auszudenken würden sie in uns ein Raubtier wittern. Sie stellen uns aber berechtigt die Frage nach der Rangordnung, was so viel heißt: kannst du mich führen oder bis du schwächer und ich muss für unsere Sicherheit sorgen?
Ein Tier, das sich Jahrmillionen mittels Flucht  aus gefährlichen Situationen rettete, reagiert instinktiv auch heute noch auf diese Weise. Wird die Angst des Pferdes mit einer schmerzlichen Einwirkung noch verstärkt, ist die Kommunikation völlig verloren. Basiert die Verständigung ausschließlich auf unangenehmen und schmerzlichen Erfahrungen, wird das Tier unterdrückt bis versklavt und verliert jegliche Freude an gemeinsamen Unternehmungen und stumpft ab.
Je nach Charakter und Temperament, widersetzt es sich vielleicht auch vehement und gilt unverschuldet als „böse“.

Der Dialog mit dem Pferd kann nur in seinen natürlichen Möglichkeiten zur Kommunikation verständlich funktionieren. Menschensprache ist bis zu einem bestimmten Grad möglich. Übungen und Verhaltensweisen, die durch stetige Wiederholung mit Wort-Kommandos verknüpft werden, können über das erlernte „Wort“ abgerufen werden.

Bei der Beobachtung freier Pferdegruppen ist eine zwar subtile, aber doch sehr umfangreiche Kommunikation wahrzunehmen. Viele Menschen greifen auf Seile und Stricke zurück um ihr Pferd fast rein mechanisch zu bewegen – in der Herde gibt es nur die Verbundenheit der Gefühle, ein gemeinsames Sein, ein gemeinsames Fühlen.

Ein Traum wird für jeden von uns Wirklichkeit, wenn unser Freund-Pferd -frei von jedem Zwang und Hilfsmitteln- uns freiwillig vertrauensvoll  folgt. Leider sind wir nicht als Pferde geboren und müssen diese Fremdsprache erst erlernen, da gibt es kein Crashkurs. Zeit unseres Lebens sollten wir daran arbeiten uns diese Fremdsprache anzueignen.

 

Foto: Reitschülerin Manu, (von Geburt an blind) mit Tippy
Freundin und Reitschülerin Manu, (von Geburt an blind) mit Tippy

Pferde sind wundervolle Tiere. Sie schaffen oft in Sekundenschnelle, Menschen in ihren Bann zu ziehen, sie zum Lachen und zum Staunen zu bringen. Nicht nur Kinder und Jugendliche, auch Erwachsene kennen die Faszination Pferd und fühlen sich angezogen von ihnen.

Pferde leiten nicht nur zu Bewegung an, sondern regen viele oft verloren geglaubte Fähigkeiten aufs Neue an: Menschen übernehmen wieder Verantwortung, erfahren Erfolgs-erlebnisse, spüren Lebens-freude, können Nähe zulassen und zeigen sich bereit zu Gesprächen. Die Begegnung mit Pferden weckt vielerlei Gefühle, von Freude über Sehnsucht bis hin auch zur Angst. Die Motivation mit Pferden in Kontakt zu treten steht an zentraler Stelle bei Arbeit mit dem Pferd.